2012 EINSTEINSEIN

Vitoria Pinto: EINSTEINSEIN

30. März - 1. Juni 2012

DETAILS

In Bildern, Installationen und Lesestücken wird der gängige und unbewusste Sprachgebrauch hinterfragt. Die HSR-Galerie zeigt in ihrer Frühlingsausstellung eine Auswahl dieser originellen Texttafeln und lädt zu zwei Lesungen ein.

Vitoria Pinto betreibt in der alten Mühle in Pfäffikon ZH ihr Atelier, das sie "Kunstbetrieb" nennt. Die Künstlerin ist eine Sprachakrobatin und arbeitet konzeptionell mit dem Medium Sprache. Die bewusst puristisch gestalteten Sprachtafeln und Installationen verhelfen den Wörtern und Sätzen zu einem Eigenleben. Die Texte treten in einen Dialog zum Umfeld, zur Situation, zum Ort und zum verunsicherten, oft auch amüsierten Betrachter. In dessen Kopf offenbart das Gesehene eine neue Bedeutungsebene und verwandelt sich so in eine Art neues Werk. Die Künstlerin arbeitet bevorzugt raumbezogen und ortsspezifisch. An der längsten Wand der Galerie hängen vierzehn A0-Plakte aus der 294 Sätze umfassenden Textarbeit "Diese Welt wird dem toten Hasen nicht erklärt". Auf jedem Poster stehen jeweils acht (die liegende Acht ist das Zeichen für eine Endlosschlaufe) Wörter untereinander geschrieben. Aneinandergereiht bilden sie einen Satz. Obwohl jeder Buchstabe etwa 10 cm hoch ist, können die Wörter nur schwer entziffert werden; der ganze Text wurde nämlich mit weisser Farbe übermalt. "Weissen" nennt die Künstlerin ihre Technik, die sie hier nicht zum ersten Mal verwendet. Was in einem zeitaufwändigen Prozess entstanden ist, wird biltzschnell fast wieder ausgelöscht.

Im Kontrast zu den geweissten Textpostern stehen die farbigen, in den letzten Monaten entstandenen, Texttafeln "Anweisungen". Die Sätze kommen einem irgendwie bekannt vor und dieser Eindruck trügt nicht. Für diese Arbeit hat die Künstlerin nämlich alle Gebrauchsanleitungen in ihrem Atelier und zuhause durchgelesen; interessante Sätze herausgeschrieben und diese unverändert oder leicht abgeändert auf die Tafeln übertragen. Der Text wurde aus dem angestammten Kontext genommen, isoliert und verselbständigt. Durch den künstlerischen Eingriff löst er sich vom Gegenstand und vom Bild, das er im gängigen Sprachgebrauch übermittelt. Hier lesen sich diese Sätze nun wie Anweisungen fürs Leben, für den Umgang mit Kunst im Allgemeinen und den hier ausgestellten Bildern im Besonderen.

An der Vernissage und an der Lesung, Sonntag, 22. April trug Stefan Kammhuber, Professor für Spachen und Kommunikation an der Hochschule für Technik, Rapperswil, jeweils ein Lesestück von Vitoria Pinto vor.

Bilder Vernissage

WEITERE WERKE

Website von Vitoria Pinto:

www.vitoriapinto.ch